Aktive und passive Fahrzeugsicherheit – Deine Schutzengel auf der Straße

Seit dem 19. Jahrhundert gehören Automobile zur Menschheitsgeschichte. Im Laufe dieser Zeit hat sich das Fahrerlebnis drastisch verändert. So auch die Sicherheit für die Insassen eines Fahrzeuges. Heutzutage sorgen gleich zwei Elemente dafür, dass Dir bei einem Unfall im Straßenverkehr möglichst wenig passiert: die aktive und passive Fahrzeugsicherheit.

Was ist der Unterschied zwischen aktiver und passiver Fahrzeugsicherheit?

Damit Du im Straßenverkehr sicher unterwegs bist und in Ernstfällen einem möglichst geringen Risiko ausgesetzt bist, verfügt Dein Auto über verschiedene Schutzmechanismen und Vorrichtungen. Bei diesen wird unterschieden, ob sie aktiv zur Prävention eines Unfalls beitragen oder ob sie beim eigentlichen Unfall passiv dafür sorgen, dass Du möglichst nicht verletzt wirst.

Passive Fahrzeugsicherheit

Die passive Fahrzeugsicherheit begleitet Autofahrer historisch gesehen schon wesentlich länger als die modernen aktiven Systeme. Prinzipiell versteht man unter diesem Begriff alle Eigenschaften und Ausstattungen eines Fahrzeugs,

  • auf die der Fahrer sehr wenig oder keinen direkten Einfluss hat;
  • die in der Regel erst im Falle eines Unfalls ihre eigentliche Wirkung zeigen;
  • und deren Zielsetzung es ist, die möglichen Schäden eines Unfalls so gering wie möglich zu halten und die Insassen bestmöglich zu schützen.

Sicherheitsgurte und Straffer

Sicherlich hast Du irgendwann schon einmal eine der bekannten Aufnahmen des ADAC gesehen. Wir meinen jene Aufnahmen, in denen bei einem Crash-Test die Dummies unkontrolliert durch das Auto segeln, weil ihnen zuvor kein Sicherheitsgurt angelegt wurde. Was witzig klingt, ist im Straßenverkehr bitterer Ernst.

Es ist also kein Wunder, dass in Deutschland seit 1970 die Anschnallpflicht herrscht und bis heute streng mit Hilfe von Bußgeldern durchgesetzt wird. Im Falle eines Aufpralls kann ein Sicherheitsgurt Leben retten. Er verhindert, dass Du aus dem Auto geschleudert wirst bzw. im Auto selbst mit anderen Insassen zusammen stößt. Zudem verringert er die Druckwirkung eines Aufpralls, damit Dein Verletzungsrisiko möglichst niedrig ist.

Bei herkömmlichen Kraftwagen kommen in der Regel Dreipunktgurte zum Einsatz. Bei Fahrzeugen mit erhöhtem Sicherheitsbedarf (wie beispielsweise Wagen für Wettrennen) werden häufig Fünf- oder Sechspunktgurte angewendet. Damit Du das Anschnallen auch wirklich nicht vergisst, müssen Anschnall-Erinnerer in allen Autos serienmäßig verbaut sein.

Airbags

Airbags wurden erstmals in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts bei Kraftfahrzeugen eingesetzt. Nachdem es um ihre Einführung zahlreiche Kontroversen gab, gehören sie heutzutage mittlerweile zur Standardausstattung von Fahrzeugen. Es gibt Airbag-Systeme in unterschiedlichsten Varianten. Die wohl wichtigsten Komponenten sind aber das Steuergerät und die Crashsensoren.

Mit deren Hilfe wird ein Unfall frühzeitig erkannt, bewertet und gegebenenfalls der im Innenraum verbaute Luftsack, also der Airbag, ausgelöst. Dieser soll die Folgen des Aufpralls für die Insassen abfedern und so deren Verletzungspotential mildern. Vorausgesetzt ist dabei natürlich, vor allem wenn Du der Fahrer bist, dass Du im richtigen Abstand zum Lenkrad sitzt. Eine Distanz von mindestens 25 cm zwischen Deinem Oberkörper und dem Lenkrad ist wichtig, damit Dir die eigentlich schützende Wirkung am Ende nicht noch mehr schadet.

Knautschzone und sichere Fahrgastzelle

Die Knautschzone begleitet uns schon bald 70 Jahre, denn sie wurde erstmals im Jahre 1952 patentiert. Mit dem recht bildlichen Namen sind spezielle Bereiche der Karosserie am Fahrzeugende und an der Fahrzeugfront gemeint. Diese sollen im Falle eines Unfalls bzw. Aufpralls den Druck abbremsen, indem sie zusammengefaltet, also „geknautscht“ werden. Fährst Du zum Beispiel frontal gegen eine Wand, so wird dieser Stoß nicht unmittelbar an Dich als Insasse weitergegeben, sondern wird als Energie zunächst über die vordere Knautschzone abgebaut.

Möglich machen das spezielle Stahlprofile, die sich bei einem Aufprall verformen. Der Fahrgastraum ist hingegen komplett stabil und dient als sogenannte Überlebenszelle. Obwohl uns die Knautschzone schon seit so vielen Jahren begleitet, geht die Forschung und Entwicklung in diesem Bereich kontinuierlich weiter. Ziel ist hierbei meist, neben der Verbesserung aktueller Systeme, eine optimale Lösung für seitliche Aufprälle zu finden.

Weiterhin zählen zu den passiven Sicherheitsvorrichtungen:

  • Sicherheitslenksäulen
  • Kindersitze
  • richtig eingestellte Kopfstützen

Aktive Fahrzeugsicherheit

Die aktive Fahrzeugsicherheit spielte in der Produktion von Kraftfahrzeugen viele Jahrzehnte lang keine dominante Rolle und ist daher ein relativ modernes Thema. Dieser „Neuigkeitswert“ ist mitunter auch der Grund, warum sie von Herstellern oft sehr aufmerksamkeitswirksam beworben werden. Die Eigenschaften von Installationen der aktiven Fahrzeugsicherheit bestehen darin, dass

  • sie aktiv in das Fahrgeschehen eingreifen können, indem sie kontrollieren, warnen und korrigieren;
  • und ihre Zielsetzung primär darin besteht, Unfälle präventiv zu verhindern.

Dadurch, dass viele Anwendungen der aktiven Fahrzeugsicherheit noch verhältnismäßig neu sind und nicht alle zur serienmäßigen Ausstattung gehören, unterscheiden sich Autos je nach Baujahr und Marke hinsichtlich der Ausstattung mit aktiven Sicherheitsvorkehrungen. Zu den geläufigsten gehören:

Antiblockiersystem (ABS)

Musst Du beim Fahren plötzlich eine Vollbremsung machen, weil Du beispielsweise die Kollision mit einem anderen Fahrzeug oder einem Hindernis vermeiden möchtest, so greift das Antiblockiersystem. Es verhindert, dass in diesem entscheidenden Moment Deine Räder blockieren, was einem totalen Kontrollverlust über den Wagen gleichkommen würde. Dadurch behältst Du Deine Lenkfähigkeit, es wird eine höhere Fahrstabilität ermöglicht und der Bremsweg wird verkürzt. Auch wenn das ABS nur in rund zwei Prozent aller Bremsungen greift, ist es ein wichtiger Faktor für Deine Sicherheit.

Antriebsschlupfregelung (ASR)

Die Antriebsschlupfregelung arbeitet eng mit dem Antiblockiersystem zusammen. Erkennt das ABS, dass Räder beginnen durchzudrehen, greift die Antriebsschlupfregelung ein. Das kommt vor allem in Situationen vor, in denen die Motorleistung die Haftung (Grip) der Räder übersteigt. So zum Beispiel beim Anfahren auf glatten Straßen oder Eis. Die ASR drosselt den Motor automatisch und übernimmt so als Fahrassistenzsystem die Traktionskontrolle des Fahrzeugs.

Elektronisches Stabilitätsprogramm (ESP)

Das „Electronic Stability Program”, abgekürzt auch ESP, ist ein elektronisches Fahrassistenzsystem, das vor allem in neueren Wagen zu finden ist. Seit 2014 müssen alle neu zugelassenen Fahrzeuge damit serienmäßig ausgestattet sein. Während das Antiblockiersystem bei einer Vollbremsung vor allem in Längsrichtung wirkt, sorgt das ESP für einen Ausgleich in Querrichtung. Das elektronische Stabilitätsprogramm verhindert, dass Dein Fahrzeug seitlich ausbricht oder gar ins Schleudern gerät. Es erkennt durchdrehende Räder und bremst diese automatisch ab. Die genauen Parameter, unter denen das ESP eingreift, unterscheiden sich von Hersteller zu Hersteller und können teilweise auch manuell verändert oder gar komplett abgeschaltet werden. Prinzipiell kann es aber eine wichtige Ergänzung zum ABS und ASR sein.

Weitere Anwendungen der aktiven Fahrzeugsicherheit sind:

  • Servolenkung
  • Reifendruckassistent
  • Rückfahrkamera
  • Tagfahrlicht
  • Notbrems-Assistent
  • Totwinkelwarner
  • Spurhalte-Assistent
  • Nachtsicht-Assistent

Ebenso gehört zur aktiven Fahrzeugsicherheit auch Dein eigenes Fahrverhalten. Dazu zählt, dass Du Dich in speziellen Verkehrstrainings weiterbildest, verantwortungsbewusst fährst und auf Ablenkungen wie beispielsweise laute Musik oder das Handy am Steuer vermeidest.

Manch einer geht davon aus, dass das komplett autonome Fahren die Superlative der aktiven Fahrzeugsicherheit ist. Bis dieses Konzept allerdings komplett ausgereift und alltagsfähig ist, werden wohl noch ein paar Jahre der Entwicklung und Forschung vergehen.

Aktive und passive Fahrzeugsicherheit – Bist Du damit vollkommen sicher?

Es steht außer Frage, dass die Elemente der aktiven und passiven Fahrzeugsicherheit in Deinem Wagen unverzichtbare Begleiter sind. Sie sorgen dafür, dass Du zu jeder Zeit sicherer fährst und für Ernstfälle gewappnet bist. Dennoch ist ihr einwandfreies Funktionieren nicht selbstverständlich und erst recht keine Einladung zum Zurücklehnen. Daher:

Lasse Dein Fahrzeug regelmäßig prüfen

Sowohl die aktiven wie auch die passiven Komponenten der Fahrzeugsicherheit bedürfen einer regelmäßigen Prüfung und Wartung, zum Beispiel im Rahmen einer TÜV-Inspektion, damit sie im Ernstfall ordnungsgemäß funktionieren können.

Sei trotzdem wachsam

Gerade bei der aktiven Fahrzeugsicherheit gibt es häufiger Diskussionen, ob sie tatsächlich Fluch oder Segen für Autofahrer sind. Die Neigung vieler Fahrer, sich zu sehr auf Sensoren und Technik zu verlassen und unachtsam oder übermütig zu werden, ist leider vorhanden. Das ist vor allem dann problematisch, wenn eventuell unbemerkte technische Probleme vorliegen.

Es ist wichtig, dass Du die aktive und passive Fahrzeugsicherheit als (überlebens-)wichtige Begleiter in Deinem Wagen verstehst. Sie sind allerdings kein Freifahrtschein für unaufmerksames oder riskantes Gefahren. Denn die größte Gefahr und Unfallursache bei der Fahrzeugsicherheit ist immer noch der Mensch selbst.

Wir wünschen Dir eine sichere Fahrt!