Führerschein ohne Gangschaltung – Die Zukunft oder Sicherheitsrisiko?

In den Vereinigten Staaten von Amerika ist die Automatikschaltung schon seit vielen Jahren Standard in den meisten Fahrzeugtypen und in Deutschland gewinnt das Fahren ohne Gangschaltung zunehmend an Bedeutung. Mittlerweile halten sich die beiden Getriebeformen hierzulande die Waage, weshalb auch hinsichtlich des Führerscheinerwerbs die Frage nach einem Umdenken immer öfter gestellt wird. Doch ist der Führerschein ohne Gangschaltung wirklich sinnvoll und alltagstauglich? Wir fassen für Dich das Thema zusammen.

Was ist mit Fahren ohne Gangschaltung gemeint?

Bei Fahrzeugen gibt es zwei verschiedene Getriebearten: Zum einen das Schaltgetriebe und zum anderen das Automatikgetriebe. Während Du bei Ersterem den Wechsel der Gänge mit Hilfe einer Kupplung manuell vornimmst, läuft dieser Prozess bei Letzterem dank eines Drehmomentwandlers automatisiert ab.

Auch wenn das Fahren mit Handschaltung derzeit noch als sicherer gilt, nimmt die Beliebtheit von Automatikfahrzeugen in den letzten Jahren stetig zu. Aus diesem Grund steigt auch das Interesse am Führerschein für das Fahren ohne Gangschaltung.

Führerschein ohne Gangschaltung – Ist das möglich?

Prinzipiell ist jeder, der eine Fahrerlaubnis für Fahrzeuge mit Gangschaltung hat, auch dazu berechtigt, Automatikfahrzeuge zu führen. Zusätzlich existiert allerdings ein Führerschein ohne Gangschaltung, der sogenannte Automatik-Führerschein. Auf die möglichen Vor- und Nachteile dieser Variante werden wir gleich eingehen. Zunächst folgen aber einige Fakten zum Automatik-Führerschein:

Wer bis März 1986 seinen Führerschein ohne Gangschaltung gemacht hatte, musste dennoch mindestens sechs Ausbildungsstunden in einem Auto mit manueller Schaltung ablegen. Da das aber vor allem im Ausland für Verwirrung sorgte, wurde der Automatik-Führerschein ab dem 01.04.1986 ausschließlich auf das Führen von Fahrzeugen mit Automatikgetriebe beschränkt.

Das bedeutet, dass man als Fahrschüler das Autofahren in der Theorie und Praxis für einen Wagen mit Automatikschaltung lernt. Du musst weder mit Gangschaltung und Kupplung agieren, noch wirst Du darin geprüft. Dies wird nach bestandener Führerscheinprüfung auch so in Deiner Fahrerlaubnis vermerkt. Neben der Klasse B steht darauf dann die Zahl 78 für „Automatikfahrzeuge”.

Beschränkungen des Automatik-Führerscheins

Im Umkehrschluss bedeutet das allerdings auch, dass Du mit dem Automatik-Führerschein keine Wagen mit manueller Schaltung fahren darfst. Der Führerschein ohne Gangschaltung ist laut der Fahrerlaubnis-Verordnung (§ 17 VI FeV) nur auf Fahrzeuge ohne Kupplungspedal ausgelegt. Halbautomatische Wagen sind in der Erlaubnis eingeschlossen, da diese in der Regel über kein Kupplungspedal verfügen.

Hältst Du Dich nicht an diese Einschränkung und fährst mit einem Automatik-Führerschein ein Auto mit Gangschaltung, so begehst Du damit eine Straftat nach §21 der Straßenverkehrsordnung (StVG). Dies kann je nach schwere der Tat mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe geahndet werden.

Erweiterung des Führerscheins ohne Gangschaltung für Wagen mit Handschaltung

Derzeit ist der Führerschein ohne Gangschaltung aufgrund eines Vorstoßes des Bundesverkehrsministeriums vermehrt im Gespräch. Anlass ist ein Vorhaben, den Erwerb des Automatik-Führerscheins ab 2020 noch leichter und standardisiert umzusetzen. Auf diese Weise soll der Erhalt des Führerscheins ohne Gangschaltung und das Fahren von Elektroautos attraktiver gestaltet werden.

Zusätzlich erwägt man eine mögliche Erweiterung des Automatik-Führerscheins auf Fahrzeuge mit Gangschaltung. Hierfür müssten Fahrer weitere Fahrstunden und einen speziellen Eignungstest durch einen Fahrlehrer absolvieren. Eine amtliche Prüfung ist hingegen nicht vorgesehen.

Genau das sorgt aber für Kritik an der geplanten Änderung der EU-Richtlinie. Verschiedene Organisationen befürchten, dass diese verhältnismäßig geringe Hürde für das Fahren von Schaltwagen die Verkehrssicherheit gefährden könnte, da die hierfür notwendige Praxis fehle. Diese Meinung vertritt zum Beispiel der TÜV-Verband, der in einer eigenen Umfrage ermittelte, dass die Mehrheit der Deutschen eine standardmäßige Führerscheinausbildung für Automatikautos wegen Sicherheitsbedenken ablehne.

Auf der anderen Seite befürwortet besonders die Seite der Fahrlehrer, wie beispielsweise Vertreter der Interessenvertretung MOVING Inter­national Road Safety Association (Moving) und der Bundesvereinigung der Fahr­lehrerverbände (BVF) den Vorschlag. Ihrer Meinung nach erweitere der Vorschlag die Möglichkeiten der Ausbildung, da zumeist Automatikwagen mit moderneren Fahrsystemen wie Autopiloten und Fahrassistenzprogrammen für die aktive Fahrzeugsicherheit ausgestattet sind. Darunter fallen auch die modernen E- und Hybrid-Autos, was die Elektromobilität in Deutschland zusätzlich fördern könnte.

Vor- und Nachteile eines Führerscheins ohne Gangschaltung

VorteileNachteile
Der Fahrschüler lernt von Beginn an das Fahren eines Automatikwagens und ist so im Umgang mit diesem geübt.Einschränkung für eventuelle berufliche oder private Situationen, in denen das Fahren mit Gangschaltung notwendig ist, wie beispielsweise Firmenwagen oder Mietwagen auf Reisen.
Der Erwerb des Führerscheins wird einfacher, da der Fahrschüler sich weniger auf die eigentliche Bedienung des Wagens konzentrieren muss. So kann er gerade in den ersten Fahrstunden mehr Aufmerksamkeit auf die Regeln des Straßenverkehrs verwenden.Sollte der Fall eintreten, dass ein Auto mit Gangschaltung gefahren werden muss, so fehlen dem Fahrer hierfür die erforderlichen Kenntnisse und Erfahrungswerte.
Durch die Erleichterung des Führerscheinerwerbs durch eine einfachere Bedienung des Wagens entfallen auch notwendige Fahrstunden. Die Kosten für die Fahrerlaubnis können somit unter Umständen geringer ausfallen.In der Fahrzeugauswahl beim Kauf eines Neu- und Gebrauchtwagens ist die Auswahl immer auf Fahrzeuge mit Automatikschaltung eingeschränkt. Jemand, der hingegen mit Gangschaltung Fahren gelernt hat, kann leichter beide Varianten der Schaltung umsetzen und profitiert so von einer größeren Flexibilität beim Autokauf.
Da das Beherrschen eines Automatikwagens in der Regel leichter ist als das Fahren mit Gangschaltung, spricht man davon, dass der Erwerb des Automatik-Führerscheins allgemein einfacher wäre.Für einen Führerschein mit manueller Schaltung spricht, dass der Fahrschüler ein näheres Gefühl für die Funktions- und Verhaltensweisen eines Autos unter verschiedenen Einflüssen gewinnen kann.

Fazit

Auch wenn die Automatikschaltung aktuell nur debattiert wird, steigt dennoch die Wahrscheinlichkeit, dass sie die Gangschaltung mehr und mehr verdrängt. Mit der Verbreitung von hybriden oder reinen E-Fahrzeugen gewinnt die Automatikschaltung eine immer größere Bedeutung, sodass die Gangschaltung langfristig verschwinden wird.

Wir wünschen Dir eine sichere Fahrt!