Handy am Steuer – Bußgelder und Strafen

Kennst Du diese Momente im Straßenverkehr, in denen Dir andere Autos durch ihre Fahrstile besonders auffallen? Vielleicht, weil das Auto vor Dir von einer Sekunde auf die andere immer langsamer fährt. Oder das Fahrzeug neben Dir allmählich immer weiter in die rechte oder linke Richtung abdriftet. Im schlimmsten Fall fährt ein anderes gleich komplett in Schlangenlinien. Ziehst Du dann vorbei, offenbart sich in der Mehrheit der Fälle immer die gleiche Ursache für das außergewöhnliche Fahrverhalten: das Handy am Steuer.

Trotz entsprechender Verbote sind Smartphones nach wie vor ein verhältnismäßig häufig sichtbares Accessoire in Deutschlands Fahrerkabinen. Nicht zuletzt, weil es beim Autofahren, neben der eigentlichen Funktion des Telefonierens, gern auch für die Navigation, zum Musikhören oder einfach nur zum Aufladen genutzt wird. Doch wann darfst Du überhaupt ein Handy am Steuer benutzen und wann nicht? Wir erklären es Dir!

Das Handy am Steuer – Ein hohes Unfallrisiko!

Auch wenn Kampagnen für die Verkehrssicherheit seit Jahren versuchen, dem Thema mehr Aufmerksamkeit zu verleihen, gehören Handys nach wie vor zum Alltag auf Deutschlands Straßen. Wenn Du ehrlich zu Dir selbst bist, ist es Dir bestimmt auch schon passiert. Der wichtige Anruf, auf den Du gewartet hast oder der schnelle Blick auf die digitale Karte, welche Abfahrt Du nehmen musst. Zwischen den Automatismen unserer modernen Art der Kommunikation und den tatsächlich nützlichen Funktionen von Smartphones ist die Versuchung oft groß, beim Fahren kurz zum Handy zu greifen. Doch jede Sekunde der Ablenkung kann bereits die letzte sein.

Fährst Du 40 km/h, so legst Du in einer Sekunde ungebremst etwas mehr als 11 m zurück. Bei einer Geschwindigkeit von 70 km/h sind es sogar bereits 20 m. Addiere Du nun ein Handy am Steuer zur Gleichung, dass Dich für genau eine Sekunde ablenkt. Du kannst Glück haben und alles geht gut. Oder es befindet sich vor Dir ein anderes Auto, ein Motorrad, ein Fahrrad, ein Fußgänger oder ein mögliches Hindernis. Du gefährdest also mit dieser Unachtsamkeit nicht nur Dich selbst, sondern auch andere. Nicht zu erwähnen, dass es beim Blick aufs Handy selten bei nur einer Sekunde bleibt.

Statistisch gibt es bei der Erfassung der Auswirkung von Smartphones auf die Unfallzahlen in Deutschland leider eine große Dunkelziffer. Das liegt daran, dass im Einzelfall die Handynutzung als Unfallursache nachgewiesen werden muss, was häufig nicht passiert. Dennoch kannst Du Dir sicher auch ohne genaue Zahlen vorstellen, welchen negativen Einfluss Smartphones auf die Verkehrssicherheit haben.

Das Verbot vom Handy am Steuer – Was ist damit gemeint?

Auch wenn der gesunde Menschenverstand uns Autofahrer sagt, dass sich das Fahren und die Handybenutzung gegenseitig ausschließen, ist in diesem Bereich weiterhin Aufklärungsarbeit nötig. Denn ähnlich wie beim Autofahren mit Flip-Flops gibt es auch beim Handy am Steuer viele Gerüchte und weit verbreitetes Halbwissen um die möglichen Strafen und Bußgelder.

Beginnen wir also zunächst einmal mit einer Definition, was genau unter „Handy am Steuer“ zu verstehen ist und wer davon betroffen ist. Entscheidend ist hierfür der Paragraph 23 der Straßenverkehrsordnung, der erst 2017 erweitert und damit verschärft wurde. Demnach darf ein Fahrzeugführer ein elektronisches Gerät bei der Fahrt nur benutzen, wenn er es dafür weder aufnehmen noch halten muss. 

Auf welche Handlungen bezieht sich das Verbot

Im Umkehrschluss bezieht sich das Handyverbot für Fahrzeugführer also nicht nur auf das Telefonieren beim Fahren, sondern auf mehrere Aspekte:

  • Alle Geräte mit dem Zweck der Kommunikation, Information und Organisation sind davon betroffen. Also auch Tablets, Notebooks, Navigationsgeräte, Diktiergeräte, Ebook-Reader, Videobrillen und Ähnliches.
  • Jede Aktion, bei der Du das Gerät in den Händen halten musst, ist inbegriffen. Das heißt: Anrufe annehmen oder ablehnen, Nachrichten schreiben, Diktier- oder Suchfunktionen nutzen, nach der Uhrzeit schauen, Fotografieren etc.
  • Unter dem Fahrzeugführer wird in diesen Fällen allein derjenige verstanden, der das Fahrzeug fährt. Beifahrer sind also von der Regelung ausgenommen. Für Motorrad- und Fahrradfahrer gilt hingegen das Verbot.
  • Das Verbot umfasst alle Situationen in denen der Motor des Fahrzeugs läuft bzw. ein Fahrrad rollt. Damit darfst Du also beispielsweise auch bei Wartezeiten an roten Ampeln oder in Staus nicht zu Handy und Co. greifen. Erst wenn der Motor vollständig abgeschaltet ist und das Fahrzeug steht, darfst Du elektronische Geräte am Steuer benutzen.

Ausnahmen des Verbotes

Es gibt einige Anwendungen, die speziell für den Gebrauch beim Autofahren konzipiert wurden bzw. unter Umständen zwingend notwendig sind. Diese sind vom Verbot ausgenommen, wie zum Beispiel: 

  • Funkgeräte für Behörden und Sicherheitsorganisationen, die laut § 35 Absatz 9 StVO auch ohne Beifahrer aufgenommen und gehalten werden dürfen
  • Die Nutzung elektronischer Einpark- und Rangierassistenten, sofern das Schritttempo eingehalten wird. Hierbei darf ein Display länger betrachtet werden.
  • Die Verwendung von Sprachsteuerungs-, Navigations- und Vorlesefunktionen, bei denen die Geräte nicht während des Fahrens berührt oder in der Hand gehalten werden müssen.
  • Bus- und Straßenbahnfahrer dürfen auch bei laufendem Motor an Haltestellen die Bildschirme der Ticketmaschinen bedienen.
  • Fällt Dein Handy während der Fahrt in den Fußraum und Du hebst es lediglich auf, dann zählt das nicht als Nutzung des Smartphones (OLG Bamberg, Was sind die Bußgelder bei einem Verstoß gegen das Verbot?

    Was sind die Bußgelder bei einem Verstoß gegen das Verbot?

    Die Frage aller Fragen: Wie teuer ist das Handy am Steuer? Hier findest Du den neuen Bußgeldkatalog (Stand seit dem 19.10.2017) für die Verwendung von elektronischen Geräten nach § 23 StVO:

    TatbestandBußgeldPunkteFahrverbot
    Beim Fahrradfahren   
    Beim Führen eines Fahrzeugs100 €1 Punkt 
    Verstoß mit Gefährdung150 €2 Punkte1 Monat
    Verstoß mit Sachbeschädigung200 €2 Punkte1 Monat

    Baust Du einen Unfall wegen der Verwendung des Handys, so drohen Dir neben Bußgeldern und Punkten auch Probleme mit Deiner Versicherung. Da ein solches Verhalten als grobe Fahrlässigkeit gewertet werden kann, kommt nicht jede Kaskoversicherung für entstandene Schäden auf.

    Übrigens: wirst Du mit Handy am Ohr geblitzt, so kann es Dich unter Umständen gleich doppelt so hart treffen. Wenn Du bei ein und derselben Handlung gleich mehrere Verstöße gegen den Bußgeldkatalog begehst, so ist in der Regel nur das Bußgeld mit dem höheren Regelsatz voll zu zahlen. Allerdings kann dieser Regelsatz laut § 3 Abs. 5 BKatV. je nach Schwere der anderen Vergehen angemessen erhöht werden. Die Nebenstrafen wie Fahrverbote oder Punkte werden in solchen Fällen addiert.

    Lässt Du Dich nicht von Radarfallen blitzen? Dann hast Du trotzdem keinen Grund dazu, Dich in Sicherheit zu wiegen. Es reicht für ein Bußgeld auch aus, dass Du mit dem Handy in der Hand von Polizisten beobachtet wirst.

    Motor aus – Handy raus

    So verlockend es ist und so wichtig mancher Anruf oder manche Nachricht auch erscheinen mag – das Handy am Steuer ist und bleibt ein No-Go! Solltest Du auf gewisse Funktionen nicht verzichten können, dann stelle vor Antritt einer Fahrt sicher, dass diese auch ohne Dein Zutun verwendbar sind. Sei es beispielsweise durch Freisprechanlagen, die sich auch bei älteren Fahrzeugmodellen nachrüsten lassen oder mit Hilfe von Headsets. Wenn vorhanden, kannst Du hierfür auch Deinen Beifahrer in die Verantwortung nehmen.

    Die Hauptsache ist, dass Du konzentriert und ohne Ablenkung durch Displays und Klingeltöne sicher zu Deinem Ziel kommst.

    Wir wünschen Dir dabei eine gute Fahrt!