Im Winter sicher Autofahren – So kommst Du unfallfrei durch die kalte Jahreszeit

Alle Jahre wieder können Schnee, Eis und kalte Temperaturen von einem Tag auf den anderen für völlig andere Fahrbedingungen auf Deutschlands Straßen sorgen. Unvorbereitete können solche Zustände schnell irritieren, was nicht nur die Wahrscheinlichkeit für chaotischere Situationen im Straßenverkehr, sondern auch das Risiko für Unfälle drastisch erhöht. Genau das gilt es natürlich zu vermeiden, weswegen wir Dir mit unseren Tipps helfen möchten, damit Du im Winter sicher Autofahren kannst.

Scheiben ordentlich kratzen – Fahre niemals ohne vollständige Sicht nach allen Seiten

Hand aufs Herz: wie oft warst Du früh morgens auf dem Weg zur Arbeit schon spät dran oder hattest schlichtweg in der eisigen Luft keine Lust darauf, Deine Scheiben gründlich von Schnee und Eis zu befreien? Oder kennst Du die vermeintlich witzigen bis schockierenden Momente, in denen Du beim Fahren andere Autos beobachtest, die durch eine weiße Decke heraus nur über wenige Zentimeter große Gucklöcher zu navigieren scheinen?

Was im ersten Moment zum Schmunzeln anmutet, kann beim Autofahren im Winter schnell zur großen Gefahr mutieren. Denn ist Deine Sicht beeinträchtigt, kannst Du in vielen Situationen des Straßenverkehrs nicht angemessen reagieren. Entsprechend wichtig ist es, dass Du Dir vor dem Start Deiner Fahrt ausreichend Zeit für das Säubern Deines Autos von Schnee und Eis nimmst – so unangenehm es auch sein mag.

Im Winter sicher Autofahren dank frei gekratzter Scheiben

Dazu zählen in sehr großflächigem Maße die Windschutz- und Heckscheibe, alle Seitenscheiben sowie beide Seitenspiegel. Ist über Nacht oder in den letzten Stunden Schnee gefallen, so musst Du zudem die Lichter, Deine Kennzeichen und das Dach von den weißen Massen befreien. Nur so verhinderst Du, dass auch während der Fahrt keine neue Sichtbehinderung für Dich und andere Autofahrer durch herab rutschende Schneeblöcke hinzu kommt.

Zudem vermeidest Du durch ausgiebiges Enteisen Deiner Autoscheiben unnötige Bußgelder. Erwischt man Dich bei einer Verkehrskontrolle dabei, wie Du nur kleine Gucklöcher in die Eisschicht auf deinen Scheiben gekratzt hast, so kann Dich das schnell 10 Euro Bußgeld kosten. Selbiges gilt für Fahren mit Schneemassen auf Deinem Autodach, was mit 25 Euro Strafe zu Buche schlägt. Ein zugeschneites und damit unleserliches Kennzeichen kostet Dich 5 Euro.

Übrigens, auch wenn es auf deutschen Straßen häufig zu beobachten ist, ist das Warmlaufenlassen des Motors beim Eiskratzen kein Kavaliersdelikt, sondern sogar verboten. Das Bußgeld hierfür beträgt 10 Euro laut Straßenverkehrsordnung. Entgegen der weit verbreiteten Meinung ist es zudem sogar schädlich, den Motor bei kalten Temperaturen im Stand laufen zu lassen. Das Motoröl ist in diesem Zustand zähflüssiger, was nicht nur zu schlechter Schmierung, sondern auch zu einem höheren Kraftstoffverbrauch führt.

Unsere Zusatztipps: 

  • Du solltest nicht versuchen, Eisreste mit den Scheibenwischern zu entfernen. Einerseits kann das scharfkantige Eis den Wischgummi nachhaltig beschädigen und so schneller verschleissen lassen. Zum anderen können sich die Wischspuren anschließend bei einer höheren Innentemperatur im Auto in Schlieren verwandeln, die die Sicht noch stärker beeinträchtigen.
  • Verhindere ein Beschlagen der frisch gekratzten Scheiben, indem Du nach dem Losfahren die Heizung und Scheibenventilation voll aufdrehst.
  • Du kannst Dir viel Arbeit sparen, indem Du Deine Front- und Heckscheibe am Vorabend mit einer speziellen Folie aus dem Fachhandel abdeckst. Eingeklemmt zwischen Türen und Fenster sorgt sie dafür, dass sich keine Eisschicht bilden kann. Nachteilig ist allerdings, dass hierdurch geschmolzenes Regenwasser ins Auto laufen kann.
  • Decke niemals Deine Autoscheiben über Nacht mit Papier, Pappe oder anderen Materialien ab, die durch die Feuchtigkeit aufweichen und festfrieren können.
  • Spezielle Enteiser-Flüssigkeiten erleichtern das Eiskratzen, sind allerdings kostenintensiv.
  • Stelle abends Deine Scheibenwischer auf, damit sie nicht an der Frontscheibe festfrieren können.
  • Kratze immer von der Mitte zum Rand, um die Gummidichtungen der Scheiben zu schonen.

Fahre sicher bei kalten Temperaturen mit Winterreifen

Dieser Punkt sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Dennoch kommt es jährlich zu zahlreichen Unfällen durch ungeeignete Bereifung bei widrigen Witterungsverhältnissen. Wenn Du im Winter sicher Autofahren möchtest – und Dich vor allem auch an die geltenden Gesetze der Winterreifenpflicht halten willst – so kommst Du um den Winterreifenwechsel nicht herum.

Winterreifen sind aus einem weicheren Gummi gefertigt und passen sich dadurch besser an die Fahrbedingungen bei Schnee, Matsch und Eis an. Sie bieten Dir eine größere Haftung und folglich angemessene Bremswege und Manövrierfähigkeit. 

Wenn Du gern mehr Informationen von uns rund um das Thema Winterreifen wissen möchtest, so findest Du diese hier.

Unser Zusatztipp: 

Fährst Du in einer Region, in der Kettenpflicht herrscht, so solltest Du nicht nur Schneeketten mit Dir führen, sondern auch wissen, wie man diese richtig auf den Rädern montiert. Es daher ratsam, das Aufziehen der Ketten auf die Antriebsräder bereits vorab und in Ruhe Zuhause auszuprobieren. Beachte auch, dass Du mit Schneeketten maximal 50 km/h fahren darfst. Für Allradwagen gelten hierbei besondere Anweisungen, weshalb Du die Herstellerangaben einhalten solltest.

Passe Deine Fahrweise den Witterungsbedingungen an

Im Winter gilt: Vorsicht ist besser als Nachsicht!

Eis, Schnee, Matsch und starke Regenfälle verursachen schwierige Fahrbedingungen. Entsprechend musst Du Dein Fahrverhalten im Winter noch stärker an die Außenbedingungen anpassen, als es im Sommer der Fall ist.

Hier sind einige Empfehlungen, die Du für Deine Fahrweise im Winter beherzigen solltest:

  • Im Winter ist niedertouriges Fahren ratsam, da es ein Durchdrehen der Reifen verhindert und Dir so mehr Halt auf den Straßen bietet. Halte also die Drehzahlen des Motors möglichst niedrig, fahre bei glatten Straßen mitunter im zweiten Gang an und schalte früh hoch.
  • Fahre stets vorausschauend und tendenziell etwas langsamer, als Du bei wärmeren Temperaturen fahren würdest. Das heißt natürlich nicht, dass Du durch zu vorsichtiges und übermäßiges Schleichen zur Behinderung im Straßenverkehr werden sollst. Vielmehr ist damit gemeint, dass Du präventiv fahren und Dir selbst genügend Gelegenheit für das Reagieren auf unvorhergesehene Ereignisse wie eventuelles Rutschen oder längere Bremswege einräumen solltest.
  • Passe Deine Fahrgeschwindigkeit immer den Verhältnissen an und halte lieber etwas mehr als nur den Mindestabstand zu dem Wagen vor Dir.
  • Vermeide vor allem bei Eis und Glätte abrupte Lenk- und Bremsbewegungen sowie zu schnelles Beschleunigen. So umgehst Du ungewolltes Schlittern oder Ausbrechen Deines Fahrzeugs.
  • Lasse beim Überholen auf verschneiten Straßen Vorsicht walten. Meist sammelt sich in der Fahrbahnmitte bzw. in den Abschnitten zwischen zwei Spuren mehr Schnee. Dieser Widerstand kann Deine Räder ungleichmäßig abbremsen, was in Kombination mit einer erhöhten Beschleunigung schnell für Schleudergefahr sorgen kann.
  • Damit sind wir schon beim nächsten Punkt. Solltest Du trotz Deiner Vorsichtsmaßnahmen einmal ins Schleudern geraten, so lautet die oberste Regel: Fuß vom Gas! Verfügt Dein Auto über ABS, so kannst Du es in die gewünschte Richtung lenken, während Du bremst. Verfügst Du über kein Antiblockiersystem, so solltest Du auf ein Bremsen beim Gegenlenken verzichten, da der Wagen sonst noch weiter ausschlagen kann.

Unsere Zusatztipps: 

Wenn Du noch nicht viel Fahrerfahrung bei winterlichen Bedingungen hast oder schlichtweg wieder das Gefühl für das Verhalten von Deinem Auto im Winter bekommen möchtest, so bietet sich ein kurzer Abstecher auf einen verlassenen Parkplatz oder ein verlassenes Gelände an. Dort kannst Du testen, wie schnell Dein Wagen auf Beschleunigen, Bremsen und Lenkbewegungen reagiert, ohne dabei den Straßenverkehr zu gefährden.

Möchtest Du noch einen Schritt weiter gehen, so kannst Du bei einem Sicherheitstraining unter professioneller Anleitung üben, wie Du bei schwierigen Bedingungen und Gefahrensituationen im Winter sicher Autofahren kannst. So erhältst Du ein Gefühl für Deine eigenen Reaktionen und die Deines Autos bei widrigen Verhältnissen, was Dich besser für den Ernstfall wappnet. Spezielle Trainingsprogramme werden vom ADAC sowie anderen Fahrsicherheitszentren angeboten.

Plane genügend Zeit ein, um Stress zu vermeiden

Ausgerichtet auf eine besonnene Fahrweise gibt es noch einen weiteren Rat, den wir Dir ganz besonders ans Herz legen wollen: Nimm Dir Zeit!

Gerade an Tagen, an denen die Wetterbedingungen nicht leicht vorhersehbar sind und es zu Phänomenen wie Blitzeis oder unerwartet heftigen Schneefällen kommt, dauert es einfach länger, sicher von A nach B zu fahren. Sitzt Dir in solch einer Situation der Zeitdruck im Nacken, weil Du zur Arbeit oder schnell nach Hause musst, so ist das wenig hilfreich beim Behalten der Nerven am Steuer. Plane daher, sofern möglich, immer etwas mehr Fahrzeit als gewöhnlich für Deine alltäglichen Strecken ein. So ist es nicht nur einfacher für Dich, pünktlich zu Terminen zu erscheinen, da Du auch bei widrigen Straßenbedingungen genügend Vorlaufzeit eingeplant hast. Du fährst auch gleichzeitig entspannter, langsamer und dadurch sicherer.

Druck und selbst verursachter Stress helfen Dir nicht weiter, wenn Du im Winter sicher Autofahren möchtest

Stress ist ein großer Feind für Deine Sicherheit. Neben einer angepassten Zeitplanung solltest Du daher im Winter allgemein das Autofahren etwas lockerer angehen. Ist der Schneepflug im besten Berufsverkehr trotz Vorhersage noch nicht hinterhergekommen? Merkt man dem Fahrer im Wagen vor Dir an, dass er durch Eis und Matsch unsicher fährt? Kein Grund, sich zu ärgern oder zur Hektik antreiben zu lassen. Atme tief durch und nimm es gelassen, anstatt diese und ähnliche Verkehrssituation als Anlass zu nehmen, Dich aufzuregen. Es geht nicht darum, dass der Einzelne schnellstmöglich seine Destination erreicht. Stattdessen sollte es vielmehr das Ziel sein, dass alle Verkehrsteilnehmer dank gegenseitiger Rücksichtnahme auch bei winterlichen Straßenverhältnissen sicher ankommen.

Unsere Zusatztipps: 

  • Informiere Dich vor jeder Fahrt über die aktuelle Wetterlage, um unangenehme Überraschungen zu vermeiden.
  • Fahre vorausschauend und rechne mit möglichen Fehlern von anderen, damit Du Dich nicht aus der Ruhe bringen lässt.
  • Methoden zur Entspannung wie Meditation oder Autogenes Training können Dich dabei unterstützen, einen ruhigen Fahrstil anzunehmen und mehr Gelassenheit im Straßenverkehr zu spüren.
  • Falls Du selbst dazu neigst, bei Glatteis, Schnee oder Matsch unsicher zu fahren, so kann Dir ein spezielles Fahrsicherheitstraining dabei helfen, Deine Ängste bzw. fehlende Erfahrung anzugehen.
  • Die Winterzeit ist eine tolle Zeit für spannende Hörbücher, falls es bei Stau durch Eis und Schnee doch mal wieder länger dauern sollte.

Im Winter sicher Autofahren mit der richtigen Ausstattung

Für Deine Sicherheit im winterlichen Straßenverkehr gibt es einen weiteren entscheidenden Faktor: die richtige Vorbereitung und Ausrüstung. Umso mehr Du Dich auf verschiedene Szenarien einstellst und Dich entsprechend vorbereitest, umso weniger können sie Dich aus der Ruhe bringen oder gar gefährden.

Das gehört im Winter in Dein Auto

Damit Du für Ernstfälle gerüstet bist, solltest Du bei kalten Temperaturen und widrigen Straßenbedingungen immer die folgenden Dinge im Wagen bei Dir führen:

  • So offensichtlich und selbstverständlich es auch scheint, sie sind schnell vergessen und dann ist der Ärger groß. Habe daher lieber stets einen Eiskratzer und Schneebesen im Kofferraum.
  • Falls Du in bergigen Regionen wohnst oder dorthin in den Urlaub fährst, solltest Du Schneeketten einpacken.
  • Packe bei längeren Fahrten eine Thermoskanne mit einem heißem Getränk und etwas Proviant ein, falls es zu Stau oder Blockaden kommen sollte. Für diese Fälle ist es ebenso ratsam, warme Decken im Kofferraum und ein Handyladekabel dabei zu haben.
  • Für Havarien und Notfälle solltest Du ein Abschleppseil und Starthilfekabel mit Dir führen.

Unsere Zusatztipps: 

  • Vergiss nicht die essentiellen Dinge, die Du ohnehin mit Dir führen solltest wie beispielsweise einen Erste-Hilfe-Koffer und das Warndreieck. 
  • Es kann nie schaden, Schlossenteiser außerhalb des Autos griffbereit zu haben.
  • Checke vor dem Losfahren auch, ob das Frostschutzmittel für Kühler und Wischwasser aufgefüllt ist und ob Batterie und Beleuchtung in Ordnung sind.

Wenn Du all diese Ratschläge beherzigst, hast Du bereits einen großen Schritt dafür getan, dass Du im Winter sicher Autofahren kannst. Und mal von den widrigen Straßenverhältnissen abgesehen – das Autofahren im Winter durch verschneite Landschaften kann auch seinen ganz eigenen Reiz haben.

Wir wünschen Dir eine gute Fahrt!