Bewertungskriterien für Oldtimer und Youngtimer bei der Hauptuntersuchung (TÜV SÜD)

So funktioniert die Fahrzeugbewertung der Klassiker

Oldtimer und Youngtimer lassen die Herzen vieler Autoliebhaber höher schlagen. Doch die Klassiker bedürfen einer aufwendigen Pflege bei ihrer Instandhaltung. Diesem Thema solltest Du eine besondere Aufmerksamkeit widmen. Einerseits, damit Dir Dein Schmuckstück auf vier Rädern möglichst lange Spaß bereitet. Andererseits, damit sich die Gutachter von der Hauptuntersuchungsstelle (TÜV SÜD) gemeinsam mit Dir freuen und Dir nach den Bewertungskriterien für Oldtimer den Daumen hoch geben können.

Doch was genau macht den Wert eines Oldtimers eigentlich aus? Woran erkennt man, ob ein antikes Fahrzeug gut restauriert bzw. gewartet ist? Wir erklären Dir alles, was Du im Zusammenhang mit den Bewertungskriterien für Oldtimer und Youngtimer bei der Hauptuntersuchung (TÜV SÜD) wissen musst.

Fahrzeugbewertung von Oldtimern und Youngtimern bei der Hauptuntersuchung (TÜV SÜD) – Was passiert da?

Besitzt Du einen Oldtimer oder Youngtimer, so kann ein Besuch in einer HU-Stelle aus verschiedenen Gründen notwendig sein. Zu den Leistungen gehören:

  • Hauptuntersuchung (TÜV SÜD);
  • Prüfung und Dokumentation für das rote 07-Wechselkennzeichen;
  • Erstellung eines Gutachtens für das H-Kennzeichen für Oldtimer;
  • Gutachten zur Wertfeststellung (z.B. für den Fall, dass Du Dein Fahrzeug verkaufen möchtest oder Du Dir gerade einen Oldtimer gekauft hast und Deine Versicherung diesen Nachweis fordert);
  • Schadensgutachten (z.B. bei einem Unfall).

Umgesetzt werden all diese Serviceleistungen von speziell geschulten Oldtimer-Sachverständigen. Das ermöglicht eine professionelle und vor allem objektive Bewertung, da die Mitarbeiter selbst zwar über umfassende Fachkenntnisse verfügen, aber kein Kaufinteresse an dem Objekt haben.

Grundlagen für die Bewertung eines Oldtimers

Um eine faire und für alle Fahrzeugtypen anwendbare Begutachtung durchführen zu können, richten sich die versierten HU-Mitarbeiter in ihrem Urteil nach klar definierten Bewertungskriterien für Oldtimer. Diese werden in drei Kategorien unterschieden:

  • Innenraumbewertung bei Oldtimern und Youngtimern;
  • Außenbewertung bei Oldtimern und Youngtimern;
  • Technikbewertung bei Oldtimern und Youngtimern.

In anderen Worten: Die Oldtimer-Experten prüfen Dein Schmuckstück von innen, von außen, von unten und natürlich auch bei einer Testfahrt auf Herz und Nieren.

Dieser Prozess der Begutachtung kann bei einem Bewertungsgutachten bis zu 26 Bauteilgruppen umfassen, die man einer Prüfung unterzieht. Hierbei werden in den einzelnen Kategorien sogenannte Zustandsnoten vergeben, die dann bei unterschiedlicher Gewichtung die Gesamtnote für die Bewertung ergeben.

In der Einschätzung gibt es eine weitere Unterscheidung zwischen dem Wiederbeschaffungswert, dem Wiederherstellungswert und dem Marktwert eines Oldtimers.

  • Wiederbeschaffungswert: Preis, zu dem Du ein gleichwertiges Gerät bei einem Fachhändler erstehen kannst; liegt in der Regel über dem Marktwert.
  • Wiederherstellungswert: Preis, der sich aus dem Beschaffungspreis und dem benötigten Betrag für die Instandsetzung ergibt.
  • Marktwert: Preis, der bei einem privaten Verkauf zu erzielen wäre.

Diese Differenzierung ist vor allem beim Abschluss einer Versicherung relevant. Manche Versicherungsgesellschaften bieten Policen für alle drei Wertdefinitionen an, während andere beispielsweise nur den Marktwert als Grundlage für eine Abdeckung nehmen.

Weitere Faktoren für die Bewertung eines Oldtimers

Natürlich gleicht kein Wagen dem anderen. Der Zustand von Oldtimern kann innerhalb derselben Modellkategorie stark variieren, so wie auch das genaue Alter, der erhaltene Zustand und spezielle Ausführungen für eine Einschätzung entscheidend sind.

Klingt das für Dich etwas undurchsichtig? Das ist es im ersten Moment auch. Zwei Fahrzeuge des exakt gleichen Typs und Baujahrs könnten zum Beispiel unterschiedliche Zustandsnoten erhalten, wenn eines von beiden eine besonders gefragte Lackierung oder einen geringeren Stand auf dem Kilometerzähler hat. Das macht die Fahrzeugbewertung der Klassiker zu einem vielschichtigen Unterfangen, dass von Seiten des Prüfers fundiertes Fach- und Branchenwissen erfordert.

Mögliche Faktoren, die den Wert eines Oldtimers zusätzlich beeinflussen können, sind:

  • Eine spezielle Ausstattung, wie beispielsweise eine spezielle Lackierung, originale Patina oder Sonderanfertigungen;
  • Die Nachfrage bei Fachhändlern, Auktionen und Plattformen im Internet;
  • Die Einschätzung durch Fachkreise, Stammtische und Club-Foren;
  • Die Historie des Fahrzeugs und Besonderheiten wie ein sehr originaler Zustand oder eine herausragende Restauration.

Durch diese zusätzlichen Kriterien gibt es keinen direkten Zusammenhang zwischen der Benotung und dem tatsächlichen Wert eines Oldtimers. Erhält zum Beispiel ein Klassiker eine schlechte Benotung seiner Karosserie, so kann er dennoch aufgrund seines Originalzustands einen hohen Wert erzielen.

Notensystem und Bewertungskriterien für Oldtimer und Youngtimer

Bei der Begutachtung eines Oldtimers oder Youngtimers durch die Prüfstelle werden alle für die Prüfung relevanten Baugruppen des Gefährts auf ihre Optik und Funktionalität geprüft. Der Zustand des Autos sowie des Zubehörs werden fotografisch dokumentiert und schließlich schätzt man den Marktwert des Wagens.

Die Oldtimer-Experten verwenden dabei zur Orientierung speziell für diesen Zweck erarbeitete Listen und vergeben Noten. Daraus ergibt sich letztendlich in unterschiedlicher Gewichtung eine Gesamtbewertung des Fahrzeugs.

Das Notensystem zur Wertermittlung lautet wie folgt:

  • 1 – Makelloser Zustand – keinerlei Mängel, Fahrzeug hat fast Neuzustand, sehr selten.
  • 2 – Guter Zustand – keine Mängel, leichte Gebrauchsspuren, gut restauriert.
  • 3 – Gebrauchter Zustand – normale Nutzungserscheinungen, keine gravierenden Mängel, gebrauchsfertig.
  • 4 – Verbrauchter Zustand – mangelhaft und nur bedingt fahrbereit, sofortige und einfache Arbeiten notwendig.
  • 5 – Restaurierungsbedürftiger Zustand – sehr mangelhaft, nicht fahrbereit, noch restaurierbar, Ausbesserungen notwendig.

Hinzu kommen drei weitere Bewertungskriterien:

  • Original = Bauteile bzw. komplettes Fahrzeug sind im unrestaurierten Zustand (z.B. bei Museumsautos oder Wagen, die größtenteils in einer Garage standen);
  • Authentisch = Bauteile bzw. komplettes Fahrzeug wurden originalgetreu, d.h. „dem Original entsprechend“ restauriert;
  • Nicht authentisch = Bauteile bzw. das komplette Fahrzeug entsprechen nicht mehr dem ursprünglichen Auslieferungszustand des Wagens.

Welche Teile eines Oldtimers werden bei der Fahrzeugbewertung überprüft?

Wie schon zuvor erwähnt, erhält Dein Liebling auf vier Rädern bei der Fahrzeugbewertung zwar eine Gesamtbenotung, diese setzt sich aber aus mehreren Einzelnoten zusammen. Die Einzelnoten werden für bestimmte Baugruppen eines Oldtimers bzw. Youngtimers vergeben. Dazu gehören unter anderem:

  • Karosserie/Lackierung;
  • Verdeck;
  • Bodengruppe;
  • Fahrwerk;
  • Innenausstattung;
  • Originalteile;
  • Die Verglasung;
  • Zierteile;

Damit Du Deinen Klassiker ideal auf die Prüfung vorbereiten kannst, solltest du wissen, auf was genau bei einigen dieser Baugruppen geachtet wird.

Die Außenbewertung Deines Oldtimers

Auch wenn wir gern behaupten, dass es anders wäre – der erste Eindruck zählt! Und er basiert auf dem Äußeren.

Bei der HU-Fahrzeugprüfung Deines Oldtimers bleibt es zwar nicht nur bei dem ersten Blick, wenn es um die Einschätzung geht. Das Äußere wird dabei aber trotzdem betrachtet und das ganz genau.

Lack und Karosserie

Die Karosserie eines Oldtimers ist der Spiegel seiner Geschichte. Ein Wagen, der über Jahrzehnte geschützt in einer Garage stand, wird sich äußerlich immer von einem Fahrzeug unterscheiden, dass bei Witterung und den Gefährdungen des Straßenalltags gefahren wurde.

Neben dem Zustand der Karosserie selbst fällt hier vor allem auch der Lack ins Auge. Wurden Teile Deines Oldtimers ausgebessert, erneuert oder neu lackiert, so kann dies die Einschätzung des Fahrzeugwerts beeinflussen. Ob dieser Einfluss positiv oder negativ ausfällt, hängt von verschiedenen Rahmenbedingungen ab. Beispielsweise, ob die Veränderungen gemäß der originalen Ausstattung erfolgt sind oder das Erscheinungsbild dadurch verändert wurde.

Du siehst, es gibt viele Variablen, die von den Prüfern der Hauptuntersuchung (TÜV SÜD) in Augenschein genommen werden. In Detail achten sie unter anderem darauf:

  • Sind die Flächen der Karosserie eben oder gibt es eventuelle Unebenheiten durch nicht sachgemäße Lackierung, eine auffällig erhöhte Schichtdicke durch mehrfachen Lackauftrag oder Kratzer bzw. Dellen in den Bauteilen?
  • Sind die Spaltenmaße zwischen einzelnen Karosserie-Elementen gleichmäßig oder verliert die Karosserie Linienführung und Form, weil sie nicht genau justiert wurde? Ist Letzteres der Fall, so kann der Fachmann schnell den Eindruck gewinnen, dass Havarieschäden mangelhaft repariert wurden und deshalb zum Karosserieverzug führten.
  • Gibt es Anzeichen von Korrosion? Rost kann der Substanz der Karosserie massiv zusetzen. Viele Oldtimer-Modelle stammen aus Zeiten, in denen industrielle Rostschutzmittel noch nicht üblich waren und meist mit Öl oder Fett gepflegt wurden. Kommt eine harte Witterung und Kaltverformung hinzu, so kann dies Karosserie und Lack arg zusetzen. Die Prüfer achten bei der Außenbewertung darauf, inwieweit sie Anzeichen von Rost, korrosionsbedingte Lackblasen oder eventuell sogar Durchrostungen finden.
  • Sind Unfallschäden sichtbar? Eine hervorstehende Kante, ein unaufmerksamer Nachbar und dessen Autotür oder gar ein kleiner Zusammenstoß können bleibende Eindrücke auf der Karosserie Deines Oldtimers hinterlassen. Den HU-Fachmann interessiert, inwieweit diese Mängel professionell beseitigt oder beibehalten wurden. Sind Gebrauchsspuren oder Dellen zu sehen oder wurde sogar ein Bauteil nicht fachgerecht instand gesetzt? Dann kannst Du mit Punktabzügen rechnen.

Die Notenermittlung bei der Fahrzeugbewertung Deines Oldtimers bei der Hauptuntersuchung (TÜV SÜD) könnte dann etwa so aussehen:

NoteBewertungskriterien
1 – Makelloser ZustandKeine Mängel oder Unebenheiten bei Lack und Karosserie, guter Glanzgrad beim Lack, einwandfreier Zustand
2 – Guter ZustandSpaltmaße gleichmäßig aber nicht perfekt, keine Rostschäden erkennbar, leichte Gebrauchsspuren, geringe Staubeinschlüsse beim Lack
3 – Gebrauchter ZustandLeichte Gebrauchsspuren und vereinzelt Korrosion erkennbar, kleinere Steinschläge oder stellenweise matter Lack
4 – Verbrauchter ZustandLeichte Unfallschäden, sichtbare Durchrostung, Dellen oder Beulen an Lack und Karosserie, deutlich erhöhte Lackschichtdicken
5 – Restaurierungsbedürftiger ZustandStarke Schäden an Lack und Karosserie durch Rost oder Unfälle, schlechte oder keine Instandsetzung

Verdeck

Verfügt Dein Oldtimer über ein bewegliches Verdeck, so ist dieses ähnlich wie Karosserie und Lack den Witterungsbedingungen und starken Temperaturschwankungen zwischen den Jahreszeiten ausgesetzt. Auch wenn ein Verdeck aus robusten Materialien hergestellt wird, können Einflüsse wie Feuchtigkeit, Hitze und Kälte nach genügend Zeit ihre Spuren hinterlassen. Vor allem Cabriolets sind mit ihren Kunststoff-Dächern anfällig für Schäden.

Mängel am Verdeck zeigen sich unter anderem in Form von:

  • Faltenbildung;
  • Scheuerstellen;
  • Stockflecken;
  • Verfärbungen;
  • Brüchigen Gummileisten;
  • Schlechter Passform.

Diesen Schäden kannst Du mit der richtigen Pflege vom Verdeck Deines Oldtimers bzw. Youngtimers vorbeugen. Im Fachhandel erhältst Du entsprechende Reiniger, Pflege- und Konservierungsmittel. Weiterhin solltest Du auch adäquate Schutzmaßnahmen für die Wetterbedingungen der verschiedenen Jahreszeiten treffen.

Die Bewertungskriterien bei der HU-Fahrzeugprüfung für Verdecke lauten wie folgt:

NoteBewertungskriterien
1 – Makelloser ZustandKeinerlei sichtbaren Mängel oder Falten, hält dicht, genaue Passform bzw. im Originalzustand, müheloser Verschluss möglich
2 – Guter ZustandVerdeck hat gute Passform, ist nicht ausgebleicht, ggf. wenige Falten
3 – Gebrauchter ZustandLeichte Faltenbildung, leichte Verfärbungen, geringe Gebrauchsspuren
4 – Verbrauchter ZustandVerschluss ist schwergängig, Faltenbildung, Verfärbungen, stärkere Gebrauchsspuren
5 – Restaurierungsbedürftiger ZustandVerschluss funktioniert nicht oder nur eingeschränkt, stark sichtbare Falten, deutliche Gebrauchsspuren bzw. Beschädigungen, fehlende Bauteile

Bodengruppe

Wie der Name schon erahnen lässt, handelt es sich bei der Bodengruppe um den unteren Bereich des Fahrwerkes. Der Begriff wird bei einer selbsttragenden Karosserie verwendet, wie es in der Regel bei Oldtimern und Youngtimern der Fall ist. Mit ihr sind die Auspuffanlage, die Fixationspunkte der Achsen, die Fahrwerkskomponenten und/oder der Antriebsstrand verbaut. Ähnlich wie bei der Karosserie kann auch die Bodengruppe von Korrosion, Unfallschäden und Mängeln durch nicht fachgerechte Arbeiten betroffen sein.

Der HU-Prüfer wird bei der Überprüfung der Bodengruppe Deines Oldtimers folgende Bewertungskriterien zu Grunde legen:

NoteBewertungskriterien
1 – Makelloser ZustandBodengruppe ist nicht verformt, weist keine Spuren von Instandsetzung auf, perfekter Zustand
2 – Guter ZustandKaum erkennbare Nutzungsspuren, keine Reparaturschweißungen zu sehen, sehr gute Instandsetzung
3 – Gebrauchter ZustandNutzungsspuren sichtbar, leichte Einwirkung von Rost, verschmutzte Bereiche erkennbar
4 – Verbrauchter ZustandStärkere Korrosion bis leichte Durchrostungen, deutliche Gebrauchsspuren
5 – Restaurierungsbedürftiger Zustandnicht fachgerecht ausgeführte Instandsetzung, starke Durchrostungen, fehlende Teile

Weitere Baugruppen, die bei der Außenbewertung durch die Hauptuntersuchung (TÜV SÜD) geprüft werden sind unter anderem die Beleuchtung sowie verbaute Zier- und Originalteile.

Die Innenbewertung Deines Oldtimers

Neben der Einschätzung des äußeren Zustands prüfen die HU-Experten auch den Innenraum Deines Oldtimers. Das hat zum einen selbstverständlich seine Begründung in der Optik und Ästhetik des Fahrzeugs. Zum anderen sind viele der Baugruppen im Inneren des Wagens aber auch relevant für Deine Sicherheit. Entsprechend achtet man bei der Bewertung Deines Oldtimers genau darauf, wie es in der Fahrerkabine aussieht.

Sitze und Gurte

Was empfindest Du bei dem Gedanken an einen Oldtimer mit perfekt gepflegten Ledersitzen, die durch ihren faltenfreien Glanz ins Auge stechen? Bei diesem Anblick hüpft wohl das Herz eines jeden Autoliebhabers. Damit Dein Oldtimer solche Reaktionen bei Dir hervorruft, solltest Du die Sitze mit ihren Bezügen und Beschlägen pflegen. Oder bei einer Restaurierung auf hochwertige Materialien setzen.

Neben der Oberfläche interessiert die Prüfer der Hauptuntersuchung vor allem aber die Funktionalität der Sitze. Vor der Fahrzeugbewertung kannst Du diese zur Sicherheit selbst noch einmal überprüfen. Sind die Sitze fest verbaut und könnten den Aufprallkräften bei einem Unfall standhalten? Sind alle Bedienteile an Ort und Stelle und lassen sich leicht handhaben? Funktionieren die Sicherheitsgurte sachgemäß und entsprechen sie heutigen Normen? Dann stehen Deine Chancen auf eine positive Bewertung gut.

NoteBewertungskriterien
1 – Makelloser ZustandPolsterung, Chromteile und Funktionalität der Sitze haben keinerlei Mängel
2 – Guter ZustandSitze weisen leichte Gebrauchsspuren auf, Bedienteile lassen sich mühelos handhaben
3 – Gebrauchter ZustandFunktionalität der Sitze ohne Mängel, Polsterung weist leichte Gebrauchsspuren in Form von leichten Rissen und Verfärbungen auf
4 – Verbrauchter ZustandSitzen ist starke Nutzung anzusehen, verbaute Chromteile sind beschädigt, Polsterung ist rissig und verfärbt
5 – Restaurierungsbedürftiger ZustandVerbaute Chromteile rosten stark, Bedienelemente der Sitze funktionieren nicht, Polsterung ist beschädigt

Gepäckraum

Er gehört wahrscheinlich zu den am wenigsten beachteten Teilen eines Oldtimers. Ursprünglich für das Gepäck bzw. die Koffer gedacht, wird er selten so stolz vorgezeigt wie beispielsweise der Motorraum. Die Hauptuntersuchungsstelle wird mit seinen Bewertungskriterien für Oldtimer aber genau hinsehen und den Gepäckraum Deines Klassikers auf mögliche Mängel untersuchen. Dazu können funktionale Schäden wie beispielsweise fehlende Teile oder schlecht durchgeführte Reparaturarbeiten gehören. Aber auch die Optik fällt ins Gewicht. Entsprechend solltest du darauf achten, dass die Verkleidungen und Bezüge möglichst frei von Durchrostungen und Makeln wie Verschmutzungen oder Verfärbungen sind.

Die Bewertungskriterien für den Gepäckraum Deines Oldtimers könnten wie folgt aussehen:

NoteBewertungskriterien
1 – Makelloser ZustandTadellos, alle Teile vorhanden und ohne sichtbare Gebrauchsspuren
2 – Guter ZustandGepäckraum ist vollständig, weist sehr leichte Nutzungserscheinungen auf
3 – Gebrauchter ZustandGeringe Beschädigungen oder Verfärbungen des Gepäckraums, erkennbare Nutzungsspuren
4 – Verbrauchter ZustandFehlende Teile, sichtbare Korrosion, Beschädigungen erkennbar, deutliche Anzeichen für durchgeführte Reparaturen
5 – Restaurierungsbedürftiger ZustandStarke Durchrostung und Beschädigungen, mehrere fehlende Teile, nicht fachgerecht realisierte Reparaturmaßnahmen

Armaturenbrett

Das Armaturenbrett ist wortwörtlich das Aushängeschild für den Zustand Deines Oldtimers. Ist es gut erhalten, so trägt es, abgesehen von den eigentlichen Funktionen, maßgeblich zur Optik und Wirkung des Wagens bei. Doch die Pflege ist gar nicht so leicht, wenn aggressive Sonnenstrahlen, Temperaturunterschiede und häufige Nutzung den Oberflächen zusetzen. Gerade wenn diese aus Polyurethan-Schaum, Leder oder ähnlichen Materialien bestehen, kann es mit der Zeit zu kleinen Rissen oder sogar komplett aufgeplatzten Stellen kommen. Griffe, Klappen und andere Elemente aus Kunststoff sind ähnlich empfindlich und können neben einer rutschigen Schicht auch schlechte Gerüche oder verblasste Farben aufweisen. Glücklicherweise lassen sich Armaturenbretter mit dem richtigen Fachwissen angemessen pflegen und bei Bedarf auch wieder rekonstruieren.

Der HU-Prüfer achtet bei den Bewertungskriterien für Oldtimer darauf, inwieweit das Armaturenbrett Deines Fahrzeugs gut erhalten bzw. aufbereitet ist und vergibt hierüber folgende Noten:

NoteBewertungskriterien
1 – Makelloser ZustandArmaturenbrett ist in einwandfreiem Zustand
2 – Guter ZustandKaum sichtbare Nutzungsspuren, keine Fehlteile
3 – Gebrauchter ZustandLeichte Nutzungsspuren, Kratzer oder Ausbleichungen
4 – Verbrauchter ZustandBlasenbildung, Nutzungsspuren, Verfärbungen und Bleichungen, erkennbare Kratzer und Risse
5 – Restaurierungsbedürftiger ZustandFehlende Teile, deutlich sichtbare Schäden, schlechte Passungen, starke Korrosion

Neben den Sitzen, dem Gepäckraum und dem Armaturenbrett wird bei der Hauptuntersuchung (TÜV SÜD) auch die Elektrik, den Dachhimmel und die Verkleidungen Deines Oldtimers bzw. Youngtimers überprüft.

Technikbewertung Deines Oldtimers

Es mag banal klingen, aber was bringt der am besten erhaltene Außen- und Innenraum eines Oldtimers, wenn Du den Wagen nicht fortbewegen kannst oder er Dir alle paar Kilometer Fahrt Probleme bereitet? Die dritte Komponente der Fahrzeugbewertung beschäftigt sich daher mit der Technikbewertung.

Motor- und Anbauteile

Der Motor ist das Herzstück Deines Lieblings und sollte auch entsprechend behandelt werden. Vernachlässigte Instandhaltung und Pflege sowie falsches Fahrverhalten rächen sich häufig in Form von gravierenden Schäden. Auch wenn die Motoren von Oldtimern in der Regel einiges aushalten, so sind sie doch recht sensibel gegenüber Verschleiß und zu starkem Drang auf Leistung.

Viele Oldtimer-Besitzer übernehmen gerade bei dieser Baugruppe gern selbst die Wartung und Restauration. Allerdings erfordert dies das richtige Knowhow, denn Motorlauf, Zündung und Vergasereinlauf sind sehr vielschichtige Prozesse. Entsprechend wird bei der Fahrzeugprüfung auch viel Aufmerksamkeit auf den Erhalt und die Funktionsweise der einzelnen Teile gelegt:

NoteBewertungskriterien
1 – Makelloser ZustandMotor ist in einwandfreiem Zustand
2 – Guter ZustandGeringer Verschleiß und Nutzungserscheinungen, keine Mängel sichtbar
3 – Gebrauchter ZustandKeine auffälligen Geräusche, geringe Farbablösung oder Undichtigkeit, leichte Korrosion
4 – Verbrauchter ZustandDeutlich erhöhte Laufgeräusche, Schläuche rissig, starke Ölanhaftungen, Undichtigkeiten
5 – Restaurierungsbedürftiger ZustandZu lautes Laufgeräusch, fehlende Bauteile, starker Verschleiß, nicht für Gebrauch zulässig

Räder und Reifen

Die Entwicklung von Autoreifen hat in den letzten Jahrzehnten Quantensprünge gemacht, was die Sicherheit und Funktionalität betrifft. Ein zwanzig Jahre altes Modell hat hinsichtlich seiner Haftung oder der Bremswege kaum noch etwas mit den Reifen gemein, die heutzutage auf dem Markt erhältlich sind. Glücklicherweise haben viele Hersteller die Besitzer von Oldtimern und Youngtimern nicht vergessen und bieten neue Modelle in historischem Design an. Das heißt, es ist möglich, in deinem Klassiker Reifen mit modernen Standards und historischem Profilschnitt zu verbauen. Passt keines der angebotenen Formate, so erwartet dein Auto meist eine Umrüstung auf eine andere Reifengröße.

Auch wenn beide Varianten mitunter recht kostenintensiv sind, solltest Du die Reifen und Felgen deines Fahrzeugs vor der Bewertung durch die Hauptuntersuchungsstelle nicht vernachlässigen. Die Bewertungskriterien für Oldtimer lauten hierbei:

NoteBewertungskriterien
1 – Makelloser ZustandReifen in einwandfreiem Zustand, keine Korrosion oder Spuren von Auswuchtgewichten
2 – Guter ZustandLeichte Gebrauchsspuren an Reifen und Felgen, geringe Verschmutzungen
3 – Gebrauchter ZustandLeichte Spuren von Auswuchtgewichten, leichte Korrosion, Nutzungsspuren an Reifen
4 – Verbrauchter ZustandSichtbare Korrosion, abgenutzte Reifen, Felgenhorn beschädigt
5 – Restaurierungsbedürftiger ZustandReifen sehr stark abgenutzt und spröde, starke Korrosion, Verformungen, nicht geeignet für Straßenverkehr

Vorbereitung auf HU-Bewertung

Du kannst aktiv dazu beitragen, dass die Bewertung Deines Oldtimers oder Youngtimers möglichst erfolgreich und reibungslos verläuft. So erleichterst Du den HU-Gutachtern zum Beispiel erheblich die Arbeit, wenn Du alle für die Prüfung relevanten Dokumente und Nachweise zum Termin mitbringst. Dazu können gehören:

  • Deine Zulassungsdokumente (historisch wie aktuell);
  • Nachweise zur Originalität des Oldtimers;
  • Belege für die Historie des Fahrzeugs;
  • Wartungsnachweise;
  • Dokumentation bzw. Bildmaterial zu den durchgeführten Restaurierungsarbeiten;
  • Angaben zu den Zubehör- und Ausstattungsvarianten.

Wie viel kostet eine Fahrzeugbewertung eines Oldtimers?

Die Kosten für die Erstellung eines Gutachtens für Deinen Oldtimer variieren mit den erforderlichen Bewertungsschritten und dem Wert des Fahrzeugs.

So gibt es beispielsweise ein kleines Gutachten, dass meist bei Fahrzeugen mit einem Verkehrswert bis 20.000 Euro durchgeführt wird und ab 150 Euro kostet. Das aufwendigere große Gutachten kommt häufig bei Oldtimern mit einem Wert von über 20.000 Euro in Frage. Hierfür beträgt der Preis ab 300 Euro bzw. bis zu 0,2 Prozent des Fahrzeugwertes.

Gut vorbereitet ist halb bestanden

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Bewertungskriterien für Oldtimer bei einer Fahrzeugprüfung im ersten Moment recht überwältigend wirken können. Aber Hand aufs Herz: Oldtimer sind Liebhaberautos und setzen meist von vornherein eine etwas größere Passion für das Gefährt voraus. Pflegst und wartest Du Deinen Klassiker auf vier Rädern richtig und beschäftigst Dich vorab eingehend mit den Anforderungen einer Fahrzeugbewertung, so solltest Du bestens für Deinen Hauptuntersuchungstermin vorbereitet sein.

 

Wir wünschen Dir eine gute Fahrt!