Rettungsgasse bilden – so geht’s

Ob im Fernsehen, im Radio, im Internet oder live auf der Straße selbst – ein Thema ist ein Dauerbrenner unter Autofahrern: Rettungsgasse bilden.

Leider ist der Anlass zur Berichterstattung oft kein positiver, ganz im Gegenteil. Häufig ist von Fällen die Rede, wo Rettungsteams auf Autobahnen nicht oder nur schlecht zu Unfallopfern vordringen konnten. Sei es, weil Blitzdenker die Rettungsgasse als willkommene Umkehrmöglichkeit nutzen oder weil erst gar keine gebildet wurde. Hinzu kommen häufig Missverständnisse unter Autofahrern darüber, wie man überhaupt eine Rettungsgasse bilden sollte. 

Damit Du diese Zweifel nicht hast, beantworten wir Dir in diesem Beitrag die wichtigsten Fragen zur Rettungsgasse. So kannst Du nicht nur zu Deiner eigenen, sondern auch zur Sicherheit anderer beitragen. Denn eines ist Fakt: im Ernstfall kann eine Rettungsgasse Leben retten.   

Rettungsgasse bilden – so geht’s:

Wann sollte eine Rettungsgasse gebildet werden?

Er hält sich hartnäckig und ist nur schwer zu korrigieren. Damit meinen wir den Trugschluss, dass man eine Rettungsgasse erst dann bilden sollte, wenn Rettungsfahrzeuge mit Martinshorn anrücken. Du merkst sicher bereits beim Lesen, dass diese Logik einen Haken hat. Denn es geht im Ernstfall wertvolle Zeit verloren

Wenn ein Rettungswagen oder die Feuerwehr auf einer Autobahn alle drei Meter stoppen muss, weil die Fahrzeuge erst dann mit dem Ausweichen beginnen, so kann das Leben gefährden. Denn der Sinn einer Rettungsgasse besteht darin, dass Einsatzfahrzeuge nicht behindert werden und so schnell wie möglich zum Unfallort gelangen.  

Wann also ist nun der richtige Moment für eine Rettungsgasse?

In der Stadt eine Rettungsgasse bilden vs. auf der Autobahn – gibt es Unterschiede?

Grundsätzlich ist eine Rettungsgasse immer dann zu bilden, wenn sich Rettungsfahrzeuge im Einsatz nähern, was Du leicht am durchdringenden Martinshorn erkennen kannst. Der genaue Zeitpunkt, wann dieser Vorgang des Ausweichens beginnen sollte, variiert allerdings zwischen Stadt- und Land- bzw. Autobahnverkehr.

Im dichten Verkehr in Städten und geschlossenen Ortschaften mit einspurigen Straßen gilt die Regel, dass Autofahrer beim Ertönen von Sondersignalen reagieren müssen. Das liegt daran, dass hier aus Platzmangel meist ein vorausschauendes Bilden von Rettungsgassen nicht möglich ist, ohne dabei eventuell fließenden Verkehr zu blockieren.

Auf Autobahnen und mehrspurigen Straßen außerhalb von geschlossenen Ortschaften verhält es sich hingegen anders. Hier gilt die Faustregel: Man sollte bereits eine Rettungsgasse bilden, wenn der Verkehr stockt und nicht erst beim Anrücken der Rettungsfahrzeuge! 

Das hat zwei Hintergründe. Der erste besteht darin, dass jeder zähfließende Verkehr sich schnell in einen Stau verwandeln kann. Zwar ist dabei nicht immer ein schwerer Unfall der Auslöser, aber du solltest zu jeder Zeit mit dieser Option rechnen und als Autofahrer die Rettungsgasse frei halten. Zweitens ist es bei noch stockendem Verkehr viel leichter, entsprechend seitlich auszuweichen. Hat sich bereits ein Stau entwickelt, so ist es wegen dem Platzmangel zwischen allen Fahrzeugen häufig nicht mehr möglich, eine Rettungsgasse zu bilden. Damit wären wir wieder beim Szenario des Blockierens von Einsatzfahrzeugen, das es unbedingt zu vermeiden gilt.  

 

Wie bildet man eine Rettungsgasse auf mehrspurigen Straßen?

Egal ob Du auf einer einspurigen oder einer mehrspurigen Straße fährst, die grundlegenden Schritte für das Bilden einer Rettungsgasse sind gleich:

  • Reduziere die Geschwindigkeit.
  • Setze den Blinker, bevor Du zur Seite fährst und beobachte dabei genau die Autos vor und hinter Dir, um Auffahrunfälle zu vermeiden und anderen genügend Platz zum Ausweichen zu lassen.
  • Achte darauf, dass Du genügend Raum für eine Durchfahrt der Einsatzfahrzeuge lässt, indem Du Dein Auto parallel zur Fahrbahn ausrichtest und das Heck Deines Autos bestenfalls nicht herausragt.

Bist Du auf einer einspurigen Straße unterwegs, so ist das Vorgehen recht simpel. Hier musst Du Dich an die rechte Seite der Fahrbahn bewegen. Setzen das die Autofahrer beider Straßenseiten um, so entsteht auf Höhe des Mittelstreifens die Rettungsgasse für Einsatzfahrzeuge. 

Wo verläuft bei mehrspurigen Straßen die Rettungsgasse eigentlich?

Mehrspurige Straßen sorgen gern für einen kurzen Moment des Überlegens. Was passiert denn nun mit den Autos auf der Mittelspur? Oder gar bei vier Spuren?

Ehe Du Dich hier zu sehr zum Nachdenken verleiten lässt, merke Dir einfach eine einzige Regel. Diese gilt immer, überall und für alle Verkehrsteilnehmer: Eine Rettungsgasse wird immer zwischen dem linken und den übrigen Fahrstreifen gebildet! Das heißt, bist Du auf einer mehrspurigen Autobahn auf der Überholspur unterwegs, so musst Du dich im Fall einer Verkehrsstockung links halten. Fährst Du hingegen auf der rechten oder der Mittelspur, dann musst Du beim Rettungsgasse bilden nach rechts ausweichen.

Das ist sogar gesetzlich geregelt, unter §11 Abs. 2 StVO für „Besondere Verkehrslagen“:

„Sobald Fahrzeuge auf Autobahnen sowie auf Außerortsstraßen mit mindestens zwei Fahrstreifen für eine Richtung mit Schrittgeschwindigkeit fahren oder sich die Fahrzeuge im Stillstand befinden, müssen diese Fahrzeuge für die Durchfahrt von Polizei- und Hilfsfahrzeugen zwischen dem äußerst linken und dem unmittelbar rechts daneben liegenden Fahrstreifen für eine Richtung eine freie Gasse bilden.“ 

Außerdem solltest Du beachten, dass eine Rettungsgasse nach der Durchfahrt von Einsatzfahrzeugen nicht sofort wieder geschlossen werden sollte. Es könnten jederzeit weitere Rettungswagen folgen.

Zählt der Standstreifen als Rettungsgasse?

Da wir gerade so viele Missverständnisse beseitigen, sollten wir dieses auch gleich thematisieren: Nein, der Standstreifen dient nicht als Rettungsgasse.

Früher wurde der Seiten- bzw. Pannenstreifen tatsächlich von Rettungsfahrzeugen genutzt. Da dieser Bereich der Fahrbahn aber unter Umständen blockiert oder beispielsweise bei Ein- und Ausfahrten nicht immer durchgängig ausgebaut sein könnte, ging man zum Prinzip der Rettungsgasse auf den offiziellen Fahrbahnen über.

Entsprechend gilt also, dass der Standstreifen immer frei zu halten ist. Diese Regel darf nur dann missachtet werden, wenn ohne die Nutzung des Seitenstreifens nicht genügend Platz für die Entstehung einer Rettungsgasse besteht. In diesem Fall darfst Du als Autofahrer ausnahmsweise auf den Standstreifen ausweichen.  

 

Drohen Bußgelder, wenn Autofahrer keine Rettungsgasse bilden? 

Die Antwort auf diese Frage ist ein ganz klares „Ja”! Wie bei allen Dingen, die gesetzlich geregelt sind, sieht die Gesetzgebung auch bei der Missachtung der Straßenverkehrsordnung Strafen vor. 

Diese wurden für die Missachtung der Pflicht zur Bildung einer Rettungsgasse im Jahr 2017 sogar verschärft. Vor Erhöhung der Geldbußen mussten Autofahrer, die ihre Pflicht versäumten, mit gerade einmal 20 Euro Strafe rechnen. Seit der neuen Straßenverkehrsordnung vom 19.10.2017 sind es hingegen mindestens 200 Euro und die Eintragung von 2 Strafpunkten ins Fahreignungsregister. Kommen Sach- oder Personenschäden hinzu, erhöht sich die Strafe sukzessive:

  

Vergehen Bußgeld Punkte Fahrverbot
Du bildest auf einer Autobahn oder einer mehrspurigen Straße außerhalb geschlossener Ortschaften keine Rettungsgasse, obwohl der Verkehr stockte. 200 € 2
Du behinderst dadurch Einsatzfahrzeuge. 240 € 2 1 Monat
Du gefährdest dadurch Dritte. 280 € 2 1 Monat
Du verursachst dadurch Sachbeschädigung. 320 € 2 1 Monat
Du versäumst, einem Einsatzfahrzeug mit Signalhorn sofort freie Bahn zu verschaffen. 240 € 2 1 Monat
Du versäumst, einem Einsatzfahrzeug mit Signalhorn sofort freie Bahn zu verschaffen und gefährdest dadurch Dritte. 280 € 2 1 Monat
Du versäumst, einem Einsatzfahrzeug mit Signalhorn sofort freie Bahn zu verschaffen und verursachst dadurch Sachbeschädigung. 320 € 2 1 Monat

Im Ausland sind die Strafen mitunter sogar deutlich höher. In Österreich liegt beispielsweise die Strafe für das Nichtbeachten der Vorschrift oder die widerrechtliche Benutzung der Rettungsgasse bei 2180 Euro!

 

Darf ich die Rettungsgasse befahren?

Man sieht solche Szenen leider häufig und dennoch lassen sie verantwortungsbewusste Autofahrer jedes Mal fassungslos zurück. Es gibt gewitzte Verkehrsteilnehmer, die die Rettungsgasse mit einer Abkürzung durch den Stau oder einem praktischen Umkehrpunkt zur letzten Ausfahrt verwechseln. Das solltest Du auf keinen Fall tun!

Der Geschäftsführer der TÜ-Taunus, Ingo Bessler, zeigt dir in diesem Video ein paar Beispiele für das rücksichtslose Verhalten mancher Autofahrer: 

https://www.youtube.com/watch?v=K0SOJoPSWaY
Die Rettungsgasse ist einzig für Einsatz- und Hilfsfahrzeuge wie beispielsweise die Feuerwehr, die Polizei und Rettungs- und Abschleppwagen gedacht. Erwischt man Dich dabei, wie Du in der Rettungsgasse fährst, dann erwartet Dich nicht nur der oben erwähnte Bußgeldkatalog, sondern Du erfüllst auch den Tatbestand des „Rechts-Überholens“. Das allein bringt Dir einen weiteren Strafpunkt in Flensburg und verursachst Du dadurch einen Unfall, so sind es gleich 100 Euro Strafgebühr mehr.  

Rettungsgasse bilden – Leben retten

Wie Du an den oben genannten Regeln sicher erkannt hast, ist das Bilden einer Rettungsgasse an sich nicht schwer und der Aufwand sehr gering. Der Alltag zeigt aber leider, dass dem Thema noch mehr Aufmerksamkeit und Aufklärung gewidmet werden sollte, um unnötig dramatische Szenen auf den Straßen zu vermeiden. Denn es lässt sich nicht oft genug betonen: Rettungsgassen retten Leben!

In diesem Sinne hoffen wir, das Dir unser Beitrag mit den wichtigsten Fragen zur Rettungsgasse weitergeholfen hat. Falls Du selbst für mehr Bewusstsein unter Autofahrern sorgen möchtest, so findest Du über verschiedene Anbieter wie beispielsweise den ADAC Rettungsgassen-Aufkleber fürs Auto. Diese erinnern auch andere Verkehrsteilnehmer an das vermeintlich Offensichtliche. 

 

Wir wünschen Dir eine sichere Fahrt!