TÜV: Entstehung, Geschichte und Fakten

Geschichte des TÜVs

Die Geschichte der Technischen Überwachungsvereine (TÜV) begann im wahrsten Sinne des Wortes vor etwas mehr als 150 Jahren mit einem Knall. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts befand sich Deutschland mitten in der Blüte des Industriezeitalters. Die Dampfkraft war auf dem Vormarsch, Dampfmaschinen schossen in den Fabriken wie Pilze aus dem Boden. Mit ihrer Zahl wuchs aber auch die Gefahr von Explosionen, die durch die Dampfkessel hervorgerufen wurden. Diese verursachten erhebliche Schäden an Anlagen und Gebäuden und forderten nicht selten Todesopfer.

Eine solche Explosion ereignete sich im Jahr 1865 in einer Mannheimer Brauerei. Sie kostete einen Menschen das Leben und jagte der gesamten Stadt durch die Erschütterung einen Schrecken ein. Schnell erkannte man die Ursache des Unfalls in der mangelnden Wartung und Kontrolle des Dampfkessels.

Aus diesem Anlass entstand 1866 die „Gesellschaft zur Überwachung und Versicherung von Dampfkesseln mit dem Sitze in Mannheim“, kurz DÜV. Dieser Überwachungsverein setzte sich aus den ortsansässigen Dampfkesselbetreibern zusammen und hatte es sich zum Ziel gesetzt, weitere solcher Unfälle durch Kontrolle und technische Wartung zu verhindern.

Das Konzept erfreute sich schnell zunehmender Beliebtheit. Eine einheitliche und unabhängige Überprüfung der technischen Standards half nicht nur den Unternehmern und dem Staat, sondern schuf auch mehr Sicherheit für die Gesellschaft. 1886 trat Carl Isambert als erster hauptamtlich beschäftigter Sachverständiger eines technischen Überwachungsvereins seinen Dienst an.

Vom Dampfkessel zum TÜV

In den darauffolgenden Jahren wurden ähnliche Vereine in anderen Teilen des Deutschen Reiches gegründet. Sie alle erzielten durchschlagende Erfolge, indem vorbeugend Mängel behoben werden konnten, die unmittelbar mit der Gefahr von Explosionen im Industriealltag zusammenhingen. 1873 wurde der Dachverband deutscher Dampfkessel-Überwachungsvereine gegründet, der sich 1888 nach zunehmendem internationalen Interesse an dem Konzept in den „Internationalen Verband von Dampfkessel-Überwachungsvereinen” umbenannte.

Im 20. Jahrhunderts entwickelt sich die Industrie und Technik unaufhaltsam weiter. Elektrische Anlagen und Kraftfahrzeuge hielten Einzug in die Fabriken. Die Dampfkessel-Überwachungsvereine passten sich den neuen Herausforderungen an. Ein denkwürdiger Meilenstein der Geschichte des heutigen TÜVs war hierbei das Jahr 1910. In diesem richtete der Badische Dampfkessel-Revisionsverein nach Erlassung eines Gesetzes zur Kontrolle von Automobilen erstmals eine eigene Abteilung zur Überprüfung von Fahrzeugen ein.

Aus den Dampfkessel-Überwachungsvereinen entwickelten sich so immer mehr Technische Überwachungsvereine, kurz TÜV. Diese wurden 1938 erstmals gleichgeschaltet und in 14 regionale Vereine aufgeteilt, die allesamt unter dem neuen Namen firmierten.

Die Liebe der Menschen zu ihren Automobilen wuchs und damit auch der Bedarf an regelmäßigen Kontrollen. Seit 1951 war die ein- bis zweijährliche Überprüfung des Fahrzeugs offizielle vom Staat verordnete Pflicht. Damit das bei der stetig steigenden Zahl an Automobilen nicht unterging, wurde schließlich am 1. Januar 1961 die berühmte TÜV-Plakette am hinteren Kennzeichen eingeführt.

Weiterentwicklung des TÜVs

Neben den Automobilen erweiterte sich der Tätigkeitsbereich der Technischen Überwachungsvereine zunehmend mit dem Laufe der Zeit und dem industriellen Fortschritt. Neben Kraftfahrzeugen überprüften die Ingenieure zahlreiche Geräte und Anlagen wie zum Beispiel Aufzüge, Fernleitungen, Kraftwerke und auch Büro- und Heimbedarf. Das Konzept überzeugte derart, dass Sachverständige auch immer häufiger bei Firmen im Ausland im Einsatz waren.

Diese Vormachtstellung sollten die TÜV-Verbände auch bis zur Wende beibehalten. Mit dem politischen Umbruch veränderte sich auch die Konkurrenzsituation. Heute können Fahrzeughalter auch die Dekra, KÜS oder GTÜ zur Fahrzeugkontrolle wählen. Dennoch behält der TÜV nicht nur bei der Kontrolle von Automobilen, sondern auch von Einrichtungen und Anlagen verschiedenster Branchenfelder seine Führungsrolle bei.

Zudem beteiligt sich der TÜV mittlerweile selbst an der Entwicklung bahnbrechender technischer Innovationen. So unterstützt der auf den Badischen Dampfkessel-Revisionsverein zurückgehende TÜV-Süd zum Beispiel seit 2009 aktiv die Markteinführung von Fahrzeugen mit Elektroantrieb.

TÜV heute

Wie schon anhand der Geschichte gut deutlich wurde, muss zunächst einmal ein Missverständnis beseitigt werden:DEN TÜV als solchen gibt es gar nicht.

Organisation der TÜV Vereine

Stattdessen existieren mehrere Gesellschaften, die sich der Überwachung und Kontrolle von verschiedenen Einrichtungen, Technologien und Leistungen verschrieben haben. Das sind zum einen drei große Holdings:

Zum anderen gibt es noch drei kleinere, konzernunabhängige Vereine: 

Um die Marke „TÜV” im Namen führen zu dürfen, gehören alle Gesellschaften dem Dachverband der Technischen Überwachungs-Vereine (VdTÜV) an. Dieser wurde vom Staat mit den hoheitlichen Aufgaben des Fahrerlaubniswesens, der Geräte- und Produktsicherheit sowie mit der Kfz-Überwachung betraut.

Entgegen früherer Traditionen stehen die Mitgliedsvereine aber nicht in direkter Kooperation zueinander, sondern konkurrieren sogar miteinander und mit anderen Prüfunternehmen Deutschlands. Die größeren TÜV-Unternehmen agieren zusätzlich auch auf internationaler Ebene mit weltweiten Tochtergesellschaften.

Zahlen zu den TÜV Gesellschaften

Um die Größe und Ausrichtung der einzelnen Vereine etwas zu verdeutlichen, reicht es, die drei größeren Holdings etwas genauer zu betrachten:

Allein die TÜV-Süd-Gruppe beschäftigt an über 800 Standorten national und international rund 24.000 Mitarbeiter in den Firmensegmenten „Industry”, „Mobility“ und „Certification“. Der Konzernumsatz lag im Jahr 2016 bei 2,3 Milliarden Euro. Der Großteil davon sind Akademiker aus den Bereichen Chemie, Physik, Maschinenbau, Informatik und Psychologie.

Der TÜV Nord beschäftigt in über 50 verschiedenen Ländern in Europa, Amerika, Afrika und Asien mehr als 10.000 Mitarbeiter und erzielte im Jahr 2017 einen Umsatz von 1,18 Milliarden Euro.

Der TÜV Rheinland tätigte im Jahr 2017 Investitionen im Wert von 91 Millionen Euro und beschäftigte auf allen Kontinenten der Erde rund 19.900 Mitarbeiter. Allein 11.400 davon waren außerhalb Deutschlands im Einsatz. Der Jahresumsatz lag bei 1,97 Milliarden Euro.

Dienstleistungen der TÜV-Vereine

Wenn man in Deutschland vom „TÜV“ spricht, so meint man damit meist synonym die Kfz-Hauptuntersuchung. Tatsächlich sind die Tätigkeitsfelder der einzelnen TÜV-Vereine aber sehr vielfältig. Dazu gehören unter anderem:

  • Kfz-Hauptuntersuchung und Abgasuntersuchung;
  • Ausstellung von Fahrerkarten für Lkw-Fahrer;
  • Theoretische und praktische Führerscheinprüfungen;
  • Medizinisch-Psychologische Untersuchungen und Abstinenz-Prüfungen nach Führerscheinentzug;
  • Gutachtenerstellung und Bewertung;
  • Produktzertifizierung;
  • Schadensuntersuchungen;
  • Internationale Zulassung von Modellen und Komponenten;
  • Prüfungen und Abnahmen für den Erhalt staatlicher Genehmigungen;
  • Kontrolle von technischer Sicherheit bei Anlagen, Produkten, Einrichtungen und Bauwerken.

Entscheidend ist dabei, dass die TÜV-Vereine völlig unabhängig bewerten, auch wenn sie vom Auftraggeber für diese Dienstleistung bezahlt werden. Das renommierte TÜV-Siegel ist dadurch nicht nur in in der Automobilbranche sehr beliebt, sondern steht auch in vielen anderen Wirtschafts- und Produktbereichen für Qualität und Sicherheit.